
Frei nach Jewgeni Schwarz
Die Zeiten sind verworren, die Zeiten sind hart. Die Menschen scheinen orientierungslos. In so einer Situation wünschen manche sich einen Helden, der die Richtung vorgibt und Lösungen bringt. Doch Helden sind keine im Angebot, dafür aber drei Clowns – Waldemar, Eusebius und Kerbel. Immerhin.
Da sind sie wieder. Erneut steigen sie bei uns ab, um sich zu wundern – über uns und unsere Art mit den Dingen. Sie verstehen zwar nicht viel vom Heldentum, aber sie sind bereit, es zu versuchen – für uns: „Der Held ist eine Rolle, die man spielen kann.“ Sie wollen die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen, zumindest für einen kurzen Augenblick. Dafür nehmen sie sich ein Stück, das schonungslos erzählt, wie weit unsere Trümmerhaufen nicht nur in den Himmel ragen, sondern auch in unsere Köpfe und Herzen. Es gilt einen Drachen zu besiegen. Und dann noch einen. Und noch einen. Also schwingen sie sich auf und nehmen uns bei der Hand.
Jewgeni Schwarz’ Märchen um den tyrannischen Drachen und die Gefahren des Duckmäusertums hat auch mehr als 80 Jahre nach seiner Entstehung nichts an Aktualität eingebüßt. Im Gegenteil. Überall auf der Welt findet man sie, die Drachen. Noch immer. Und es werden mehr – ähnlich vielgestaltig wie der Drache in der Parabel: Auch sie haben mehrere Köpfe, können sich verwandeln und mit größter Überzeugungskraft Ja-Sager und Mitläufer um sich scharen. Ein Drache, und sein Rückgrat gebaut aus all den Rückgratlosen. Für die drei Clowns ist das der Auftakt zum eigentlichen Spiel – ein rebellisches Spiel gegen den Opportunismus.
Doch, wie stürzt man Drachen? Und was tun, wenn sie gestürzt sind? Wie umgehen mit denen, die einem Drachen folgen? Und was ist, wenn der Drache, den man erschlagen will, im Inneren sitzt? Ist ein Drache manchmal einfach nur ein Schweinehund und überwindbar? Über all das kann man mit dem Märchen von Jewgeni Schwarz wunderbar philosophieren. Und das machen die Clowns auf ihre eigene ganz spezielle, liebevolle Art.
Es spielen: Rico Dietzmeyer, Felicitas Erben, Ronja Oehler
Regie & Szenarium: Rico Dietzmeyer
Musik & Komposition: Johannes Cotta, Annegret Enderle, Christoph Püngel
Masken & Szenographie: Franziska E. Schubert
Bühne & Ausstattung: Lisa-Maria Totzke
Co-Regie & Licht: Christoph Püngel
Mitarbeit: Gerda Baumbach
Fotos: Rolf Arnold
Eine Produktion von Compania Sincara in Koproduktion mit dem Schauspiel Leipzig und der Schaubühne Lindenfels.
Gefördert vom Kulturamt der Stadt Leipzig und dem Fonds Darstellende Künste aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
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